StudiWood Trier

Charakteristisch für das Ensemble sind die S-förmigen Grundrisse mit zahlreichen Winkeln, Vor- und Rücksprüngen. Im Inneren prägen eine zentrale Erschließung und ein Split-Level-System die räumliche Struktur. Diese Besonderheiten des Bestands bilden den Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung der Wohnanlage. Die überwiegend kleinteiligen Wohngemeinschaften werden neu organisiert und um unterschiedliche Wohnformen ergänzt.
Nach Abschluss der Sanierung bietet „StudiWood“ 194 möblierte Wohnplätze für Studierende. Rund zwei Drittel entstehen als barrierefreie Einzelapartments. Hinzu kommen Zwei- und Dreierwohngemeinschaften, Eltern-Kind-Wohnungen sowie kleinere Einzelapartments. Die Anforderungen der Landesförderung „Junges Wohnen“ an Barrierefreiheit und Mindestwohnflächen werden im Rahmen der baulichen Möglichkeiten des Bestands berücksichtigt.
Die für das Ensemble prägende Gebäudeform und ihr städtebaulicher Bezug zum Universitätskomplex bleiben erhalten. Vorgefertigte Bauteile sollen die Arbeiten vor Ort beschleunigen und dazu beitragen, den Zeitraum zu begrenzen, in dem Wohnplätze während der Sanierung nicht zur Verfügung stehen.
StudiWood, Trier
Wohnen & Leben
Studierendenwerk Trier A.ö.R
PIRMIN JUNG Deutschland GmbH
ISW Ingenieur GmbH

Mit der Sanierung entsteht ein Modell für eine ressourcenbewusste Bestandstransformation, das durch einen konsequent auf den Erhalt und die Weiterverwendung vorhandener Strukturen ausgerichteten Planungsansatz die architektonische Identität mit der zukunftsorientierten Weiterentwicklung des Bestands verbindet.
Eingriffe am Gebäudevolumen:
Das bestehende Bauvolumen wird punktuell in seiner vorhandenen Formensprache erweitert, um den Wohneinheiten neue Sanitärräume als vorgefertigte Nasszellen zuordnen zu können. Für die barrierefreie vertikale Erschließung entstehen in den Gebäudefugen Aufzüge in Holzschächten. Ein zusätzliches Geschoss in Holzbauweise erweitert die Bestandsgebäude.
Bestand erhalten, Ressourcen gezielt einsetzen:
Ein wesentlicher Teil der vorhandenen Rohbaustruktur bleibt erhalten. Erweiterungen und Aufstockungen werden als vorgefertigte Holzkonstruktionen ausgeführt. Die Gebäudehülle wird mit seriell gefertigten Holztafelelementen einschließlich Holzfassade saniert.
Zum Einsatz kommen regional verfügbare, zertifizierte Holzprodukte. Für Teile der Fassadenbekleidung und des Innenausbaus wird regionales Eichen-Kalamitätsholz verwendet, welches andernfalls der Verbrennung zugeführt würde. Kalamitätsholz ist Holz aus Waldbeständen, die durch außergewöhnliche Schadereignisse wie Sturm, Dürre oder Schädlingsbefall geschädigt wurden und deshalb vorzeitig geerntet werden müssen. Geeignete Bauteile aus dem Bestand werden wiederverwendet. Geothermie und Photovoltaik ergänzen das Konzept der Energieversorgung.
Die Kombination aus Bestandserhalt, Wiederverwendung und vorgefertigten Holzbauteilen soll den Einsatz neuer Ressourcen und die mit der Baumaßnahme verbundenen Treibhausgasemissionen begrenzen.
Kalamitätsholz:
Als Kalamitätsholz wird Holz aus Waldbeständen bezeichnet, die durch außergewöhnliche Ereignisse wie Sturm, Dürre oder Schädlingsbefall geschädigt wurden und deshalb vorzeitig geerntet werden. Seine weitere Verwendung hängt von Holzart, Zustand, Sortierung und den jeweiligen Anforderungen ab. Geeignete Qualitäten können nach entsprechender Aufbereitung und Prüfung als Bauholz oder für andere Anwendungen im Gebäude eingesetzt werden.
Spuren der Schädigung und Verfärbungen können dabei sichtbar bleiben. Statt sie als Makel zu verstehen, werden sie Teil des gestalterischen Ausdrucks und erzählen von Herkunft und Vorgeschichte des Materials.
Beim Projekt StudiWood in Trier kommt regionales Eichen-Kalamitätsholz sowohl an Teilen der Fassade als auch im Innenraum zum Einsatz. Damit wird ein bereits verfügbares Material einer längerfristigen baulichen Nutzung zugeführt, das andernfalls energetisch verwertet würde. Seine charakteristischen Spuren und Farbunterschiede bleiben sichtbar und prägen das Erscheinungsbild.