Ressourceneffizienz

Neubau der Goetheschule in Marl

 
 

Die Stadt Marl plant den Neubau eines Schulgebäudes mit Sporthalle und Lehrschwimmbecken in fußläufiger Distanz zur heutigen Goetheschule in Marl. Eine städtebauliche Ergänzungsplanung auf dem Baufeld der Bestandsschule stellt dabei die folgerichtige Fortsetzung der Entwicklung im Areal südlich der Hervester Straße dar.


Der Architektenwettbewerb zum Neubau der Goetheschule wurde im Januar 2020 entschieden. Einstimmig setzte die Fachjury den Entwurf von ACMS Architekten und KRAFT.RAUM. Landschaftsarchitekten auf Platz eins. Insgesamt 19 Wettbewerbsbeiträge waren bei der Stadt Marl eingegangen. Auf dem waldartig gesäumten ehemaligen Sportplatz werden das Schul- und das Sportgebäude als freie Formen platziert. Mit ihren jeweils von einem Zentrum ausgehenden Gebäudeflügeln schieben sie sich raumbildend in das baumfreie Gelände. Es entstehen unterschiedlich gestaltete konkav gefasste Freiräume, von denen jeder seinen besonderen Charakter erhält. Über diese Konzeption des Schulgebäudes können auch in einer kompakten, wirtschaftlich betreibbaren Gebäudestruktur gut gegliederte, kleinteilige Aufenthaltsbereiche gestaltet werden.

Die Gebäude sind in Hybridbauweise entworfen, mittels derer die Baustoffe bauteilspezifisch eingesetzt werden. Bodenplatte und Stützen werden in Stahlbeton ausgebildet. Mit der so gewählten Skelettbauweise kann eine optimierte Flexibilität in den Grundrissen bereitgestellt werden. In die Stahlbetondecken werden Holzverbundkassetten integriert. Mittels dieser kann der Betonanteil in den Decken reduziert werden und gleichzeitig eine raumakustisch wirksame Oberfläche gestaltet werden. Die Fassaden werden als hochwärmegedämmte Holztafel- Elemente vor den Rohbau gestellt. Der hohe Holzanteil der Konstruktion ermöglicht neben den ökologischen Vorteilen bzgl. einer konventionellen Bauweise auch im Schulalltag erlebbare Qualitäten: anregende haptische und olfaktorische Eigenschaften, subjektiv erhöhtes Wärmeempfinden und damit einhergehend hohe Behaglichkeit. Die getroffene Materialauswahl wurde auch für die Fassaden mit einer vertikalen Verschalung berücksichtigt. Das Schulgebäude erhält ein extensiv begrüntes Dach mit Lichtkuppeln. Auf den Dächern der Sportstätten wird die Aufstellung von PV-Anlagen und Solarkollektoren empfohlen.
 

 
 

Projekt

Goetheschule, Marl
 

 
 

Themenbereich

Bilden & Lehren
 

 
 

Bauherr

Stadt Marl
 

 
 
 

Die freundliche und leichte Atmosphäre passt zum Ort und zu den zu erwartenden Nutzergruppen und kann bzgl. seines Nachhaltigkeitsanspruchs charakterprägendes Zeichen für das Quartier werden.

 
 

Das Energiekonzept

Aufgrund der hohen Belegungsdichte von Schulgebäuden und den damit einhergehenden hohen inneren Wärmequellen liegt der Hauptfocus zur energetischen Optimierung auf dem Bereich der Kühlung, Beleuchtung und vor allem einem rationellen Lüftungsbetrieb. Das Gebäude erhält eine zentrale Lüftungsanlage mit Zu- und Abluft sowie zentraler Wärmerückgewinnung für die Heizperiode. In der Übergangs- und Sommerzeit erfolgt eine Wärmerückgewinnung mittels Wärmepumpe aus den in den Sportstätten platzierten Warmwasser-Pufferspeicher. Zur Reduktion der Luftmengen wird die Zuluft als Quellluft eingebracht. Die Abluft wird im oberen Fensterbereich abgesogen. Zu- und Abluftkanäle werden umlaufend im oberen Fassadenbereich geführt und zu den etagenweise angeordneten Lüftungszentralen geführt. Damit können Kreuzungen mit der Trägerstruktur gänzlich vermieden und die Geschosshöhe minimiert werden.

Auf eine aktive Kühlung kann durch Aktivierung der Betonanteile innerhalb der Holz-Beton-Verbunddecke mittels Nachtauskühlung verzichtet werden. Die Gebäudehülle kann hinsichtlich der Dämmstandards problemlos dem Passivhaus-Standard angenähert werden. Opake Bauteile erhalten U-Werte zwischen 0,1 und 0,15 W/m2K. Die Verglasungen werden, auch zur Vermeidung von Strahlungskälte, als 3-fach Verglasung mit einem U-Wert von ca. 0,6 W/m2K ausgeführt. Die Beleuchtung erfolgt auf Basis einer LED-Technik. Die Beleuchtung der Klassenzimmer wird präsenz- und tageslichtabhängig geregelt. Die PV-Anlagen auf den Sportstätten versorgen den hohen Eigenstrombedarf. Hierzu können ggf. zusätzliche Batteriespeicher in den Technikräumen installiert werden. Der hohe Warmwasserbedarf im Bereich der Duschanlagen kann über Solarkollektoren mit einem entsprechend ausgelegten Pufferspeicher gedeckt werden.
 

 
 

Verwandte Bereiche

Vorfertigung
 

 
 

In Zusammenarbeit mit

KRAFT.RAUM. Landschaftsarchitektur
und Stadtentwicklung, Krefeld